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Veranstaltungsverbot wegen Covid19

Schockstarre durch das Veranstaltungsverbot: Wie gehen kleinere und mittlere Arenen mit der aktuellen Covid-19 Situation um und wie sehen Szenarien für die Zukunft aus? Wir haben bei Robert Risse, Geschäftsführer von Win4 in Winterhur (CH) und Daniel Orth, PR/Kommunikation bei der MVG Trier nachgefragt.

Win4 ist ein 2018 gegründeter Sport- und Gesundheitskomplex auf 20.000qm, zu dem auch die Ballsporthalle AXA Arena mit einer Kapazität von 2.200 Plätzen gehört. Die MVG Trier ist die Betreibergesellschaft der Arena Trier, der Heimat der römerstrom Gladiators aus der BARMER 2. Basketball Bundesliga und verschiedensten Entertainment-Formaten von Konzerten bis Comedy mit einer Kapazität von 5.000 Plätzen.

Deutlich wird in den Ausführungen der beiden Manager, dass die aktuelle Situation nicht zu lange dauern darf, um einen Fortbestand der Venues nicht zu gefährden. Deutlich werden auch die vielschichten Verflechtungen der Sport- und Event-Welt. Selbst wenn Venues wie die Arena Trier, die größtenteils in städtischer Hand ist, keine existenziellen Ängste haben müssen, ist die Frage, welche Content-Lieferanten (Veranstalter, Clubs etc.) und auch Dienstleister nächstes Jahr noch da sind aktuell völlig offen. Dass sich in einer größtenteils privat finanzierten Struktur wie in Winterthur die Situation entsprechend schwieriger darstellt, ist logisch. Jedoch dürfte hier das Mischnutzungskonzept des Areals gewisse Risiken abfedern, wenngleich der Event-Bereich substanziell ist.

Die Einschätzungen der Experten aus dem Veranstaltungsumfeld:

Patrick Seitter: Veranstaltungsverbot aufgrund der COVID-19 Pandemie: Wie würden Sie die aktuelle Situation für Ihr Unternehmen beschreiben?


Robert Risse (Win4 Winterthur): Innerhalb kürzester Zeit wurde der komplette Eventbereich bei uns ausgelöscht. Von kurzfristigen Absagen weniger als eine Woche vor dem Event bis hin zu Absagen mit 2-3 Monaten Vorlaufzeit war alles dabei. Wir reden dabei über eine tiefe sechsstellige Summe, die auf einmal nicht mehr da ist und eine wichtige Budgetposition darstellt. Bei uns macht es gut ein Drittel der Einnahmen aus Events aus. Wir haben zwar Annullationsgebühren in den Verträgen, die Eintreibung dieser Summen ist aber aktuell recht fraglich. Zum einen von der rechtlichen Seite her und der Einstufung der Thematik und zum anderen bezüglich der Zahlungsfähigkeit der Kunden. Verprellen will man sie ja auch nicht, es ist also nicht ganz einfach.

Zudem gab es keine neuen Buchungen von Kleinevents aus dem Businessbereich, was sonst eigentlich üblich gewesen wäre. Leider kann man im Moment nicht in die Zukunft schauen bzw. etwas planen, was die Situation sehr schwierig macht. Es waren verschiedene Aktivitäten im Marketing geplant, welche jetzt aber verpuffen würden und somit ausgesetzt sind. Diese sollten neue Buchungen bestenfalls im 2. Semester schon generieren.

Daniel Orth (MVG Trier): Die aktuelle Situation ist natürlich auch für uns als Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Trier mbH schwierig, weil viele Veranstaltungen in der noch laufenden Saison im Entertainment-, aber auch im Sportbereich wegfallen. Wir alle sind angetreten, um unserem Publikum viele verschiedene Veranstaltungen anbieten zu können. Eine Situation wie diese, die dies gänzlich verhindert ist auch für uns neu und herausfordernd. Spannend ist die noch komplett offene Frage, wie lange ein Veranstaltungsverbot herrschen wird. Erst, wenn es eine Antwort auf diese Frage gibt, können wir die Situation und ihren Einfluss auf unser Unternehmen genauer beschreiben.

Patrick Seitter: Ist der Fortbestand Ihres Unternehmens / Venues akut bedroht? Wenn ja, was muss passieren, damit es weitergehen kann?


Robert Risse (Win4 Winterthur): Es tut sehr weh und sollten nicht teilweise Gelder eingetrieben werden können oder Unterstützungen fließen, kann es sehr eng werden. Wir sind ein Startup und können noch nicht auf große Polster zurückgreifen. Wenn das 2. Semester normal laufen kann, dann kommen wir allenfalls mit vielen blauen Flecken durch. Falls dies nicht der Fall ist, dann bin ich gespannt was durch die Gelder des Bundesrats noch abgefedert werden kann. Das sind aber auch Kredite die irgendwann abbezahlt werden müssen.

Daniel Orth (MVG Trier): Der Fortbestand der MVG Trier mbH ist nicht akut bedroht. Als städtisch dominierte Gesellschaft sind wir optimistisch, dass wir auch in Zukunft – nach der derzeitigen Krise – weiter existieren können.

Patrick Seitter: Gab es für eine solche Situation, wie wir sie jetzt erleben eine Art Krisenplan / Worst Case Szenario auf das sie jetzt zurückgreifen können?


Robert Risse (Win4 Winterthur): Einen solchen gravierenden Fall hatte bei uns absolut keiner auf der Rechnung. Entsprechend schwimmt man sicherlich ziemlich stark im Moment und muss schauen, dass man das beste aus der Situation machen kann. Für die Zukunft muss dieses Thema sicherlich genau aufgearbeitet und für einen allfälligen Wiederholungsfall etwas geschaffen werden.

Daniel Orth (MVG Trier): Die MVG Trier mbH ist in der Regel auf alle Eventualitäten und Szenarios vorbereitet. Eine solche Situation, wie sie sich inzwischen weltweit eingestellt hat, haben jedoch auch wir im Vorfeld nicht in etwaige Krisenpläne einbezogen. Von daher können wir nur lernen, jetzt damit umzugehen.

Patrick Seitter: Gibt es zum jetzigen Stand (Ende März) schon Szenarien, wie es weitergehen kann oder ist es dafür noch zu früh?


Robert Risse (Win4 Winterthur): Wir sind intensiv dran mit Veranstaltern Verschiebungstermine noch in diesem Jahr zu finden sowie neue Kunden für Ende Jahr bzw. 2021 zu gewinnen. In den Verwaltungsräten laufen intensive Diskussionen und Besprechungen von Szenarien, aktuell kann ich dazu aber noch nicht so viel sagen.

Daniel Orth (MVG Trier): Szenarien für die Zukunft, was die Frage betrifft, wie es weiter gehen kann, hängen natürlich vom alles entscheidenden Faktor ab, wie lange ein Veranstaltungsverbot aufrechterhalten wird. Da auch wir dies derzeit noch überhaupt nicht einzuschätzen wissen, ist es noch zu früh diese Frage seriös beantworten zu können.

Patrick Seitter: Welche Veränderungen erwarten sie für die Sport- & Entertainmentlandschaft nach der Covid-19 Krise generell?

 

Robert Risse (Win4 Winterthur): Es wird ziemlich viel auf den Kopf stellen. Im Bereich Sponsoring wird es verdammt schwer in den nächsten 1-2 Jahren denke ich, was wiederum einige Events scheitern lässt. Es wird zwingend Anpassungen bei Verträgen geben müssen, um solche Fälle abbilden zu können. Außerdem wird es zu einer Marktbereinigung kommen, da viele Event-Agenturen und Veranstalter das sicher nicht durchstehen können. Die Awareness wird sicher auch eine andere sein und das Thema Hygiene und Vorbeugung bei Anlässen wird einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Das könnte wiederum einen Einfluss auf Kosten haben. Auf der anderen Seite lernt man Veranstaltungen vielleicht mehr zu schätzen und genießt sie mit anderen Augen und Ohren. Höhere Preise wären da aber sicher fehl am Platz. Ich könnte mir auch vorstellen, dass lokale Veranstaltungen bzw. lokale Veranstalter aus Gründen der Solidarität erstmal mehr unterstützt werden. Es braucht aber sicher eine ganze Weile bis dieser massive Einschnitt verdaut ist.

Daniel Orth (MVG Trier): Wir rechnen mit Veränderungen in der Sport- und Entertainmentwelt. Es ist zu befürchten, dass einige Veranstalter, Vereine, Dienstleister etc. diese Krise nicht überstehen werden. Unternehmen/Vereine, die finanziell und strukturell „gesund“ in diese Situation geraten sind, werden sie unserer Einschätzungen nach auch größtenteils meistern können. Andere, die eventuell schon vorher aus den verschiedensten Gründen in einer Schieflage waren, könnten dagegen gezwungen sein, den Betrieb einzustellen. Daher halten wir es für möglich, dass wir nicht mehr mit allen Unternehmen, mit denen wir bislang zusammengearbeitet haben, auch in Zukunft kooperieren können.

Das wäre insofern auch bedauerlich, als dass für uns als Vermieter von Hallen die Vielfalt der Events, die wir anbieten können, darunter leidet. Eine Vielfalt, die wir auch für das kulturelle Leben einer Stadt, ihres Einzugsbereichs und darüber hinaus als immens wichtig erachten.

 

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